Eichstätt (aur) Noch zehn Tage sind es bis zum Sonntag, 4. Juli. Dann, mitten im Getümmel des Eichstätter Altstadtfests, findet der Bayerische Volksentscheid zum Nichtraucherschutz statt.
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Eichstätt (aur) Noch zehn Tage sind es bis zum Sonntag, 4. Juli. Dann, mitten im Getümmel des Eichstätter Altstadtfests, findet der Bayerische Volksentscheid zum Nichtraucherschutz statt.
Zu einem Pressegespräch in Eichstätt bekam das Organisationsbündnis für einen strengeren Nichtraucherschutz aus dem Landkreis Eichstätt nun fachliche Unterstützung von der SPD-Landtagsabgeordneten Kathrin Sonnenholzner. Sonnenholzner ist Ärztin, Mitglied im bundesweiten "Ärztlichen Arbeitskreis" und kämpft vor diesem medizinischen Hintergrund mit aller Kraft für einen besseren Nichtraucherschutz. Auch ÖDP-Kreisvorsitzender Karl Beck zieht den Hut vor Sonnenholzners Engagement: Sie sei es gewesen, die als gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion den Gesetzentwurf des Volksbegehrens im Landtag vorgetragen habe.
"Es gibt inzwischen massive Bewegungen der Gegenseite", sagte Sonnenholzner in Eichstätt. "Die Tabakindustrie unterstützt das mit hohen sechsstelligen Beträgen." Alfons Weber, Organisationsleiter im SPD-Unterbezirk Eichstätt, hat allerdings auch schon die Erfahrung gemacht, "dass uns in den letzten Wochen sehr viel Hilfe angeboten wurde."
Sonnenholzner hob vor allem hervor, dass in Raucherkneipen eindeutig die Angestellten gesundheitlich gefährdet seien – und die könnten den Job oft nicht so einfach an den Nagel hängen. Zudem sei zu befürchten, dass bei einer liberalen Raucher-Regelung "die Wirte bei der Auslegung des Gesetzes sehr findig sind". Sonnenholzner: "Je klarer und je einfacher ein Gesetz ist, desto vollziehbarer ist es."
Ausnahmegenehmigungen für die Nebenräume speziell von Discos sind Kathrin Sonnenholzner ein ganz besonderes Dorn im Auge: "Die Zahl der Raucher in Deutschland steigt ausgerechnet bei jungen Frauen, und aus medizinischer Sicht ist diese Gruppe besonders problematisch – denn das sind die jungen Mütter von morgen. Und wir wissen, dass die am schlechtesten wieder von der Sucht wegkommen."
Aber was ist dann mit dem Alkoholkonsum, der überall zulässig ist? "Der entscheidende Unterschied ist, dass der reine Alkoholkonsum den Betroffenen gesundheitlich schädigt, aber nicht Dritte. Aber die Politik hat nur die Pflicht, jene zu schützen, die das nicht in der eigenen Verantwortung haben" – im Falle des Rauchens also die Passivraucher.
Und dass Passivrauchen eine große Gesundheitsgefahr ist, stehe längst außer Zweifel, sagte Karl Beck. Die ÖDP verwende an ihren Infoständen in diesem Zusammenhang die amtliche Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. "Das lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig." Sonnenholzner meint dazu. "Das ist alles schon 20 Jahre alt, aber das Traurige ist, dass bisher nichts passiert ist." Die Runde am Tisch seufzt einmütig: "... die Lobby!" Doch nun zeigten sich alle zuversichtlich, dass es zu einer Verschärfung der Bestimmungen kommt. Karl Beck tippte auf 65 Prozent Zustimmung beim Volksentscheid, Kathrin Sonnenholzner meinte: "Ich würde mir deutlich über 70 Prozent wünschen. Denn wenn es ein klares Votum gibt, dann kommt man auch nicht drum rum, das wirklich ernsthaft in die Praxis umzusetzen."
Bis gestern Nachmittag hatten im Eichstätter Rathaus bereits 983 von insgesamt 10 430 stimmberechtigten Bürgern Briefwahl beantragt oder gleich an Ort und Stelle abgestimmt. 9,4 Prozent: In der Stadt deutet sich eine hohe Beteiligung an.

Bild:
Sie machen Stimmung für den Volksentscheid über das Nichtraucherschutzgesetz am 4. Juli (von links): Bernd Weber, der Organisationsleiter des SPD-Unterbezirks Eichstätt, MdL Kathrin Sonnenholzner, Elisabeth Kreis als stellvertretende SPD-Unterbezirksvorsitzende und der ÖDP-Kreisvorsitzende Karl Beck. - Foto: aur